Amerikas Gewaltkultur und die ständigen Kriege
1. März 2018 • 12:01 Uhr

Die ehemalige FBI-Whistleblowerin Coleen Rowley, die jetzt bei den „Geheimdienstveteranen für Vernunft“ (VIPS) mitarbeitet, hat vor kurzem in einem Diskussionsforum das Problem des „innerstaatlichen Terrors“ in den USA angesprochen und mit Blick auf die jüngsten Massenerschießungen auf die Rolle der Medien verwiesen, die eine „Gewaltkultur“ förderten.

In einer Podcast-Diskussion mit dem Titel „Wer. Was. Warum.“ am 21. Februar bemerkte Rowley, das FBI betrachte alle diese Fälle gern lediglich als einfache „Kriminalgeschichten“, doch die Realität dahinter sei sehr viel größer. „Die CIA und das Pentagon haben bei der Herstellung von 1800 Filmen geholfen“, sagte sie, und verwies dabei auf Titel wie „American Sniper“ (2014) und „Zero Dark 30“ (2012) oder auf Arnold Schwarzeneggers Rolle in “Der Terminator“ schon viele Jahre früher. „Der Held ist immer jemand, dem Unrecht geschah“, sagte Rowley, „und am Ende erschießt er jeden... Ein geistig behinderter oder emotional gestörter Mensch erkennt sich in solchen Filmen selber als dieser Held... Sogar bei Selbstmorden ist dies der Fall. Wenn ein Freund Selbstmord begeht, wirkt sich das auf seinen Freundeskreis oft so aus, daß es zu Nachahmerselbstmorden kommt.“

„Unsere Kultur fördert diese Gewaltkultur“, betonte sie, „und das steht natürlich über der Verfügbarkeit und dem leichtem Erwerb von Waffen... Man fügt all diese Dinge zusammen, und doch erklärt es nicht die Frage: ‚Warum konnte Columbine geschehen?‘ Warum erleben wir eine Epidemie von Massengewalt? In unseren Nachrichten wird davon nie gesprochen, weil wir das... abspalten wollen, damit es nicht so scheint, als wäre es unsere Kultur.“ Indem man auf Geisteskrankheiten oder die leichte Verfügbarkeit von Waffen verweist, „will man es zu etwas machen, das kein schlechtes Bild von unserer Kultur abgibt.“

Darüber hinaus verwies Rowley auf den Einfluß „ständiger Kriege“ auf die Gesellschaft. Schon 1996 war Timothy McVeigh „ein Produkt des ersten Golfkriegs“, genauso wie der Scharfschütze John Muhammad in Washington 2001. Zwei Studien hätten jetzt gezeigt, daß Kriegsveteranen „doppelt so häufig wie üblich“ zu derartigen Massenmördern werden. Sie zählte folgende Fälle auf: 2016 ein Scharfschütze, der auf Polizisten in Dallas feuerte (5 Tote, 9 Verletzte); 2013 der Schütze vom Navy Yard in Washington (12 Tote) und weitere mehr. „Das ist „doppelt soviel wie üblich“. (Der jüngste Schütze in Florida war Mitglied des Reserve Officer Training Corps (ROTC), war aber noch nie an Militäreinsätzen beteiligt.)

Als der frühere Homeland-Security-Direktor Tom Ridge einmal „gewaltverherrlichende Videospiele“ als eine Ursache von Massenerschießungen erwähnte, so Rowley, „wurde das sofort vertuscht“, anstatt eine notwendige Diskussion darüber zu beginnen.