So bekämpft man Armut: China setzt „Vitalisierung des ländlichen Raums“ als historisches Ziel
20. Februar 2018 • 12:00 Uhr

Chinas Staatsrat veröffentlichte am 4.2. das erste politische Dokument des Jahres, das sich - einer nunmehr 15 Jahre langen Tradition folgend - mit der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum befaßt. Die Landwirtschaft, lange das Rückgrat der chinesischen Wirtschaft, macht heute weit weniger als 10% der BIP aus, aber 40% der Bevölkerung leben immer noch auf dem Land, und die 10%, die in die Städte abgewandert sind, halten engen Kontakt zu ihren in den Dörfern verbliebenen Familien.

Für Chinas Ziel, bis 2020 die Armut im Land zu besiegen, ist die Förderung der ländlichen Regionen entscheidend. Die Einkommen der Landwirte sollen erhöht und die Lebensbedingungen auf dem Lande verbessert werden. Verschiedene Landreformen haben bereits einen enormen Produktivitätsanstieg der Agrarerzeugung ermöglicht. So wurde etwa gestattet, daß Kleinbauern ihr Land anderen überlassen, ohne auf den Besitztitel zu verzichten, und so konnten kleine Felder von Bauern, die als Arbeiter in die Stadt zogen, zu größeren Flächen vereint werden, die sich mechanisch bewirtschaften lassen.

Gleichzeitig verändert man die gesamte Struktur des traditionellen Landlebens mit neuen Projekten für Bewässerung und Wassernutzung, Stromversorgung, Kanalisation und sanitäre Anlagen mit modernen Toiletten in den Häusern etc. Die Reform umfaßt zudem den Bau moderner Straßen, Einführung von Internet und Internethandel sowie die Ansiedlung kleiner Industriebetriebe in ländlichen Regionen.

Für die Umsetzung der Reform sind vor allem örtliche Parteikader zuständig, aber es wird auch systematisch dafür geworben, daß gut ausgebildete Kräfte aus der Stadt in ländlichen Gebieten arbeiten, um bei der Modernisierung zu helfen. Dazu gehören Ärzte und anderes medizinisches Personal, Lehrer und kleine Unternehmer, die Produktionsstätten einrichten - häufig für Nahrungsmittelverarbeitung und industrielle Landwirtschaft. Und es wird ein soziales Netz geschaffen, vor allem für die vielen älteren Menschen, die weiter auf Lande leben.

An Orten, an denen eine solche Modernisierung praktisch nicht möglich ist, wie z.B. abgelegen Bergdörfern, wird den Einwohnern angeboten, in moderne Siedlungen in der Nähe umzuziehen, und Millionen Menschen wurden bereits auf diese Weise umgesiedelt. In dem politischen Dokument werden die Parteikader aufgerufen, das Vertrauen der Bevölkerung vor Ort für das Programm zu gewinnen. Als Ziel wird gesetzt, bis 2020 alle Einwohner auf dem Lande aus der Armut zu befreien, bis 2035 eine „grundlegende Modernisierung von Landwirtschaft und ländlichem Raum“ umzusetzen und bis 2050 eine „umfassende ländliche Vitalisierung“ zu vollenden.