“Deutschland und China sind wie füreinander geschaffen”
2. März 2018 • 13:21 Uhr

Der chinesische Botschafter Shi Mingde war Gastredner beim Neujahrsempfang der IHK Heidenheim, in deren Kammerbereich 65 Firmen direkte Beziehungen nach China unterhalten—eine davon ist das Unternehmen Voith, dessen Konzernchef Dr. Hubert Lienhard auch als Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft ins Thema des Abends einführte. „Asien-Pazifik heißt bei uns zu 80 Prozent China“, sagte er, seit 2016 sei die Volksrepublik der größte Handelspartner Deutschlands, und Chinas Wirtschaft boome weiter. „Wer Chinas Rolle in der Welt nicht anerkennt, hat die Zeichen der Zeit verkannt.“ Die Wirtschaften beider Länder ergänzten sich gut: “Deutschland und China sind wie füreinander geschaffen“.

Botschafter Shi Mingde betonte in seiner Rede, Deutschland und China hätten sich nach dem Ende des Kalten Krieges verändert wie keine andere Nation, beide seien auch mächtige Wirtschaftsmotoren ihrer Region, jeweils ängstlich- argwöhnisch beäugt. „Chinesen verstehen Deutschland wahrscheinlich besser als mancher ihrer europäischen Nachbarn.“

Angst vor China sei unbegründet und werde vor allem durch die Medien fabriziert—wie bei der Berichterstattung über den Einstieg des chinesischen Geely-Konzerns bei Daimler: Wenn US-Firmen oder Südkoreaner einkauften, erschiene keine Zeile darüber. Im übrigen zeige sich bei chinesischen Investitionen, dass Panik völlig fehl am Platze sei: „Es werden keine Jobs abgebaut, es wird kein Know-How nach China verlagert“.

Auch sei die „neue Seidenstraße“ keine chinesische Geopopolitik, sondern vielmehr eine Achse der Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland, die beide Wirtschaftsmächte verbinden solle. „Wir sollten auf anderen Märkten als Partner auftreten und nicht als Konkurrenten“. Deshalb habe, so Shi Mingde, er auch kein Verständnis dafür, dass die Bundesregierung das Außenwirtschaftsgesetz verschärft habe und auch die EU ähnliche Schritte gehe: „Im Moment betragen die chinesischen Investitionen in Deutschland nur ein Zehntel der deutschen Investitionen in China“.

Vor dem Empfang hatte der Botschafter auf Einladung Lienhards die Firma Voith besucht, die übrigens schon lange mit der chinesischen Firma Three Gorges Dam zusammenarbeitet, zum Beispiel auch bei Wasserkraftprojekten in Afrika.